Unsere Historie
Die Berufsfeuerwehr Flensburg blickt auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurück. Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 hat sie sich stetig weiterentwickelt – von den ersten hauptamtlichen Feuerwehrmännern und den frühen Einsatzfahrzeugen bis hin zur Feuerwehr, wie wir sie heute kennen.
1904 – Gründung der Berufsfeuerwehr
Am 08.04.1904 wurde in der Kollegienversammlung der damals rund 50.000 Einwohner zählenden Stadt Flensburg der Beschluss gefasst, eine Berufsfeuerwehr einzurichten. Diese nahm am 01.12.1904 mit drei Oberfeuerwehrmännern und sechs Feuerwehrmännern ihren Dienst auf. Die Feuerwehrfahrzeuge waren pferdebespannt. Die erste Feuerwache wurde im ehemaligen Ständehaus am Holm 7 eingerichtet.
Anfangs waren die Berufsfeuerwehrmänner nur tagsüber von 5.00 bis 19.00 Uhr im Dienst. Nachts wurden sie, mit Ausnahme von zwei Oberfeuerwehrmännern, durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr abgelöst. Dieses Modell erwies sich jedoch als nicht praktikabel. Daher wurden drei weitere Feuerwehrmänner eingestellt, um einen durchgehenden 24-Stunden-Betrieb zu gewährleisten.
19065 wurde der Feuerwehr auch der Krankentransportdienst übertragen, den zuvor die Stadtreinigung mit ihren Pferden und einem Wagen durchgeführt hatte.
1914 – Erster Weltkrieg
Der Beginn des Ersten Weltkriegs stellte die noch junge Berufsfeuerwehr vor große Herausforderungen. Da bei der Berufsfeuerwehr zu diesem Zeitpunkt überwiegend ehemalige Soldaten arbeiteten, traf die Mobilmachung wehrpflichtiger Soldaten die Feuerwehr in Flensburg besonders hart. Die Hälfte der Mannschaft fehlte und es wurden Hilfsfeuerwehrmänner eingestellt. Diese waren überwiegend älteren Jahrgangs und gehörten der Reserve-Feuerwehr an.
1917/1918 – Die erste automobile Drehleiter
Trotz der schwierigen Bedingungen während des Ersten Weltkriegs hielt die technische Entwicklung bei der Berufsfeuerwehr an. Bereits 1916 wurde ein automobiler Krankenwagen beschafft. Zum Jahreswechsel 1917/1918 kamen zwei weitere Krankenwagen hinzu.
Im Dezember 1917 erhielt die Berufsfeuerwehr außerdem ihre erste automobile Drehleiter. Sie wurde im Januar 1918 in Dienst gestellt. Im Februar 1918 folgte die Beschaffung eines Personenwagens.
1934 – Einführung des Dienstsports
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 hatte auch Auswirkungen auf die Berufsfeuerwehr Flensburg. Die Beschäftigten mussten unter anderem Fragebögen zu ihrer politischen Betätigung ausfüllen. In den folgenden Jahren wurden mindestens neun Mitarbeiter aus dem Dienst entfernt und durch Feuerwehr-Anwärter ersetzt, die langjährige Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen waren.
Der körperlichen Ertüchtigung wurde unter den Nationalsozialisten große Aufmerksamkeit geschenkt, sodass es 1934 zur Einführung des Dienstsports bei der Berufsfeuerwehr kam. Die zunächst vorgesehenen zehn Minuten Gymnastik nach dem Aufstehen wurden allerdings bald durch Faustball auf dem Hof abgelöst.
1935 – Die Feuerwehr wird Teil der Ordnungspolizei
1935 wurde die Berufsfeuerwehr Teil der Ordnungspolizei und damit dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei unterstellt. Die Berufsfeuerwehrmänner wurden zu Hilfspolizisten ernannt und mussten ein Treuegelöbnis auf Adolf Hitler ablegen.
Auch das Erscheinungsbild der Feuerwehr änderte sich: Neue Feuerwehrfahrzeuge erhielten die Farbe Tannengrün und Uniformen wurden denen der Polizei angeglichen.
1939 – Zweiter Weltkrieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden sechs Berufsfeuerwehrmänner zur Wehrmacht eingezogen. Vier von ihnen kehrten aufgrund der Kriegsentwicklung bereits nach kurzer Zeit zur Feuerwehr zurück.
Von der Freiwilligen Feuerwehr wurden hingegen so viele Angehörige eingezogen, dass selbst bei Zusammenlegung der Wehren nur noch eine Gruppe einsatzbereit war. Im Gegenzug wurden Einheiten aus Reservisten für den Luftschutz aufgestellt. Die meisten erfahrenen Kollegen wurden als Zug- oder Gruppenführer eingesetzt und arbeiteten im Kriegsverlauf sechs Tage am Stück, bevor sie am siebten Tag dienstfrei hatten. Die Luftschutzeinheiten wurden auch überörtlich bei Großangriffen auf Hamburg und Kiel eingesetzt.
Flensburg blieb mit einer Ausnahme am 19.05.1943 von großen Luftangriffen verschont, so dass viel historische Bausubstanz erhalten blieb, was heute noch den Charme der Innenstadt ausmacht.
1945 – Ende des Zweiten Weltkriegs
Mit der Besetzung durch das britische Militär zum Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen die Alliierten die Kontrolle. Die Feuerwehr und der Rettungsdienst unterstanden der britischen Überwachung, wurden jedoch nicht durch britische Truppen ersetzt.
Für den Feuerschutz waren fortan wieder Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehren zuständig. Die Polizeiabzeichen wurden abgelegt, die Feuerwehrautos rot lackiert, die Fahrzeuge des Rettungsdienstes weiß und die Uniformen dunkelblau eingefärbt.
1954 – Einzug in die Wache Munketoft
1954 bezog die Berufsfeuerwehr die neu errichtete Feuerwache im Munketoft. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung gehörte sie zu den modernsten Feuerwachen der Bundesrepublik.
Neben dem Fuhrpark und dem Personal wurden auch Büros, Werkstätten und Lager zentral untergebracht. Ein 22 Meter hoher Schlauchturm gehörte ebenfalls zur Wache. Er diente unter anderem der Trocknung der Schläuche und wurde zu einem markanten Wahrzeichen der Berufsfeuerwehr Flensburg.
1971 – Einführung des Notarztwagens
Anfang der 1970er-Jahre setzte ein Wandel in der Transportphilosophie des Rettungsdienstes ein. Bis dahin wurden Patientinnen und Patienten möglichst schnell in eine Klinik gebracht, um dort ärztlich behandelt zu werden. Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Überlebensrate von Verletzten deutlich stieg, wenn an der Einsatzstelle eine Erstversorgung und Maßnahmen zur Erhaltung der Vitalfunktionen durchgeführt wurden.
Aufgrund der zunehmenden Zahl an Verkehrsunfällen wurde ein Rettungswagen beschafft, der genug Platz bot, um am Patienten zu arbeiten. Es begannen ebenfalls Überlegungen, das Fahrzeug im Rahmen eines Pilotprojekts der Landesregierung mit einem Arzt zu besetzen. Im Juli 1971 ging der Notarztwagen in Betrieb.
1984 – Zusammenlegung von Berufsfeuerwehr und Zivilschutzamt
1984 wurden die Berufsfeuerwehr und das Amt für Zivilschutz organisatorisch zusammengelegt. Anlass dafür war das Ausscheiden des damaligen Feuerwehrchefs und des Leiters des Amtes für Zivilschutz. Aufgrund der engen Verbindung der Aufgabenbereiche wurde die Gelegenheit genutzt, beide Ämter zusammenzuführen. Die Feuerwehr ist seitdem nun für die gesamte Brandbreite der Gefahrenabwehr vom Papierkorbbrand bis hin zur Katastrophe und dem Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall zuständig.
1999 – Die erste Frau bei der Berufsfeuerwehr Flensburg
Bereits seit Mitte der 1980er-Jahre waren Frauen vereinzelt im Einsatzdienst bei Berufsfeuerwehren vertreten. In den 1990er-Jahren öffneten viele Großstädte und Berufsfeuerwehren den aktiven Einsatzdienst für Bewerberinnen. 1999 begann die erste Brandmeisteranwärterin in Flensburg. Die gelernte Tischlerin war damit die erste Frau im Einsatzdienst.
2009 – Die Leitstelle zieht aus
Bis Ende 2009 war die Leitstelle für die Stadt Flensburg bei der Berufsfeuerwehr im Munketoft untergebracht. Mit der Inbetriebnahme der Regionalleitstelle Nord in Harrislee wurde die Leitstellenfunktion dorthin verlagert.
Seitdem werden die Notrufe und Einsatzmeldungen für Flensburg und die umliegenden Kreise zentral durch die Regionalleitstelle Nord disponiert.
2015 – Inbetriebnahme der Rettungswache West
Im Juli 2015 wurde die Rettungswache West in Betrieb genommen. Mit dem neuen Standort konnte die rettungsdienstliche Versorgung im Westen Flensburgs weiter verbessert und die Hilfsfrist in diesem Bereich optimiert werden.
2017 – Der Schlauchturm wird abgerissen
Der seit 1954 bestehende Schlauchturm war über Jahrzehnte ein markantes Wahrzeichen der Berufsfeuerwehr Flensburg. Im Zuge des Abrisses des benachbarten Hallenbades geriet der Turm zunehmend in Schieflage. Da die beauftragten Statiker keine Verantwortung mehr für die Sicherheit übernehmen konnten, musste der Schlauchturm 2017 abgerissen werden.
2023 – Grundsatzbeschluss für zwei neue Feuer- und Rettungswachen
Die Flensburger Ratsversammlung fasste im Oktober 2023 den Grundsatzbeschluss für zwei neue Feuer- und Rettungswachen in Flensburg. Eine neue Wache wird im Osten der Stadt am Adelbyer Kirchenweg entstehen, die andere im Westen der Stadt am Quakenweg.
2025 – Inbetriebnahme der Rettungswache Nord
Zur Verbesserung der Flächenabdeckung im Stadtgebiet wurde im November 2025 der Betrieb auf der neuen Rettungswache Nord am Lornsendamm aufgenommen.